Heutzutage trägt fast niemand mehr einen Hut - doch zu Zeiten unserer Großväter und Väter war es noch durchaus üblich, einen Hut zu tragen - noch heute gilt ein Hut auf der Autoablage als mehr oder weniger sicheres Zeichen, einen Pensionisten, oder wie manche auch leicht abfällig bemerken: einen "Sonntagsfahrer" vor sich zu haben. Da der Hut über Jahrhunderte ein wichtiges Bekleidungsstück war, wollen wir diesmal den Hut und seine Geschichte, beziehungsweise seine verschiedenen Bedeutungen im Laufe der Geschichte, mal etwas näher betrachten.

Kennzeichnung des Standes

Schon in der Antike gab es den Vorläufer des Hutes. Ein griechischer Handwerker der Antike trug beispielsweise den sogenannten Pilos, während der gewöhnliche Grieche der damaligen Zeit keinen Hut trug. Auch die reichen und vornehmen Griechen trugen Hüte - etwa den Petasos oder die Kausia - beide waren recht breit geschnitten und boten so ausreichend Schutz vor der heißen griechischen Sonne. Die heutigen griechischen Hüte gelten als Nachfahre des Petaso. Auch die Römer trugen schon Hüte - diese waren meist spitz geschnitten. Der freie Römer trug den Hut bei festlichen Anlässen wie Feiern oder religiösen Zeremonien. Im alten Rom bekamen freigelassene Sklaven einen Hut geschenkt, da dieser auch das Zeichen der Freiheit war. Nach der Ermordung Julius Cäsars ließen die beiden mutmaßlichen Verschwörer Brutus und Cassius auf römischen Münzen das Motiv eines Hutes zwischen zwei Dolchen prägen - damit sollte die Freiheit der beiden Verschwörer trotz des feigen Mordes symbolisiert werden.

In Deutschland kamen die ersten Hüte im 10. Jahrhundert auf, meist waren dies einfache Strohüte die den Bauern, Tagelöhnern und Handwerkern Schutz vor der Sonne boten. Seit dem 13. Jahrhundert ist das Berufsbild des Hutmachers erstmals in alten Aufzeichnungen zu finden. Im 16. Jahrhundert trugen Deutsche, Holländer und Schweizer spitz zulaufende Hüte mit einer sehr breiten Krempe - solche Hüte findet man heute noch vereinzelt bei festlichen Anlässen in Tirol oder der Schweiz.

Gesinnung demonstrieren

In Schweden wurde mit dem Tragen des Hutes die politische Gesinnung gezeigt. So galt in Schweden in der Zeit des Vormärz um 1848 das Tragen eines grauen Hutes als Zeichen demokratischer Gesinnung. Damals gab es sogar eine Partei in Schweden die sich "die Hüte" nannte und für Demokratie eintrat. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trugen auch vermehrt Frauen Hut, so galt es beispielsweise als unschicklich, ohne Hut auf die Straße zu gehen. Für Männer und Frauen kamen vermehrt schmälere Hüte in Mode, wie man sie noch auf Bildern aus den 30ern oder 40ern findet.

Nach 1950 kam der Hut immer mehr aus der Mode, mit dem allmählichen Wegsterben der Kriegsgeneration verschwand der Hut auch immer mehr aus dem Straßenbild. Heute tragen nur vereinzelte Gruppen Hut - Hip Hopper tragen beispielsweise Hüte von Fubu, Jazzmusiker hingegen lieber Hüte althergebrachter Marken.